So motiviert Ihr Euch!

Sport wird oftmals mit dem inneren Schweinehund in Verbindung gebracht, ja überhaupt scheitern viele im Sport wegen des inneren Schweinehunds, was gemeinhin gegen Ende Januar eines Jahres zu beobachten ist, wenn die Fitnessstudios sich wieder nach und nach leeren und diejenigen übrigbleiben, die es irgendwie schaffen, permanent sportmotiviert zu sein und nicht erst dann, wenn es um Vorsätze fürs neue Jahr geht.

Ich selbst bin der Meinung, dass die Anwesenheit des inneren Schweinehundes ein dauerhaftes und nachhaltiges Sporttreiben unmöglich macht. Früher oder später gewinnt jener Schweinehund, eine Kreuzung aus Schwein und Hund, wie ich annehme. Wer täglich mit ihm zu tun hat, wird anfälliger für Ausreden, um dem Sport aus dem Weg zu gehen. Für mich gibt es da nur eine Konsequenz: es sein lassen.

Man kann nicht alles haben

Wer sich vom inneren Schweinehund besiegen lässt, dem fehlt der notwendige Wille zu einem regelmäßigen Workout. Der sollte sich also eingestehen, dass er zu schwach ist. Das ist aber in Ordnung, denn nicht jeder kann in jedem Lebensbereich maximale Disziplin und Motivation an den Tag legen. Der eine spezialisiert sich auf dieses, der andere auf jenes. Ich bin hochdiszipliniert im unter anderem im Sport, in anderen Bereichen jedoch eher weniger. Man kann nicht alles haben. Aber es gibt ein paar Gedankengänge, die durchaus motivieren können. Um die geht es in diesem Text.

Ich bin in unzähligen Facebook-Gruppen und Foren, in denen sich Kraftsportler austauschen. Dort findet man wirklich jegliche Ausprägung von solchen Vertretern: Die einen sind knallharte Bodybuilder, während andere den Sport als Hobby betrachten und dabei sehr erfolgreich sind. Der zwischenmenschliche Umgang in diesen Gruppen ist nicht ohne, da muss man einstecken und mit Oberflächlichkeiten leben können. Zartbesaitete haben es dort schwer. Doch allen ist eines gemeinsam: Sie sind hochmotivert und für Ausreden haben sie gelinde gesagt keinerleit Verständnis. Was aber motiviert sie so?

Vorher-Nachher

Sie motivieren sich gegenseitig. Posten Jahre alte Fotos, auf denen sie entweder rund wie eine Tonne oder schmal wie ein Argument der AfD sind. Daneben dann das aktuelle Foto, das eine Kante zeigt. Das flößt Respekt ein und motiviert andere. Nebenbei dient es dem Schmeicheln des Egos; ich weiß, wovon ich rede. Eine auf der einen Seite ziemlich durchschaubare Egonummer, auf der anderen aber zeigen viele solcher Postings, was alles möglich ist. Und es ist mehr möglich, als man so denkt! Wer sieht, wie aus einem 200-Kilo-Mann, der sich kaum noch bewegen kann, ein erfolreicher Bodybuilder geworden ist, der kann für sich nur den einen Schluss ziehen:

„Dann könnte ich das ja auch!“

Denn das kann jeder! Manch einer muss nur unter ärztlicher Begleitung starten, manch andere eben nicht. Doch wie dick, wie unbeweglich, wie unsportlich jemand heute auch sein mag: Es steht der Verwirklichung des absoluten Gegenteiles innerhalb weniger Monate nichts im Wege. Jeder, aber auch wirklich jeder!, kann sich massiv optimieren. Aber niemand muss! Das sage ich hier auch ganz klar!

Mich selbst motiviert seit vielen Jahren ein Gedankengang: Als ich 2015 damit begann, meinen Kraftsport „professioneller“ zu organisieren, um endlich auch optische Fortschritte zu erreichen, ärgerte ich mich darüber, dass ich das nicht schon ein, zwei Jahre vorher angegangen war. Dann nämlich wäre ich 2015 schon viel weiter gewesen. Mit diesem durchaus wahrhaftigen Blick in die Vergangenheit sollte man sich aber nicht aufhalten, sondern diesen Rückblick in die Zukunft spiegeln: Hätte ich 2015 nicht mit dem Kraftsport begonnen, würde ich mich heute ärgern. Soll heißen: Die rückblickende Reue nach dem Prinzip „Ach, hätte ich doch schon früher angefangen!“ darf einem nie ein zweites Mal unterlaufen! Schlimm genug, nicht schon früher angefangen zu haben, aber noch schlimmer, es heute ebenfalls nicht zu tun!

Und so kann ich jetzt im Jahr 2018 erleichtert sein, dass ich vor etwas mehr als zwei Jahren den Anfang gemacht habe, auch wenn – und es stimmt ja – aller Anfang schwer ist. Hätte ich es aber nicht getan, müsste ich mich jetzt ärgern. Diese Denke ist meine Motivation. Immer zu wissen, egal, wie zäh mitunter Fortschritte erkämpft werden: Sie werden immer kommen! Mal früher, mal später! An jenem Tag, als ich diesen Text schrieb, lief mein Muscle-up-Training desaströs. Ich war völlig kraftlos. Von einem Fortschritt konnte ich also nicht unbedingt sprechen. Doch half mir der Gedanke, dass jedes Training zählt und ich in einem Jahr so oder so werde Fortschritte erreicht haben. Läuft der Moment mal nicht gut, denke ich in die Zukunft. Denn wo stand ich vor einem Jahr? Seitdem ist einiges passiert, seitdem habe ich die Anzahl meiner Hantelscheiben erhöhen können, denn was vor einem Jahr maximalschwer war, unterfordert mich heute! Das ist Fortschritt!

Lest!

Ich lese viel über Lauf- und Kraftsport. Zum einen ist das durchaus sinnvoll, damit man die Dinge richtig macht und versteht, warum man Dinge auf bestimmte Arten tun sollte. Zum anderen aber motiviert mich diese Lektüre ungemein, da so ziemlich jedem dieser sporttheoretischen Bücher ein Kapitel vorangestellt ist, in dem erklärt wird, wie grandios sich Sport auf die Gesundheit und den Alltag auswirkt. Schon während des Lesens überkommt einem eine enorme Motivation loszulegen!

Wer nicht motiviert ist, mindestens vier Mal pro Woche hart zu trainieren, der kann es ganz lassen, denn wirkliche Fortschritte sind dann nicht zu erzielen. Jedes einzelne Workout der mehreren Hundert pro Jahr ist ein kleiner Baustein des Gesamtzieles. Verzichte ich jede Woche auf nur einen dieser Bausteine, fehlen am Ende des Jahres bereits 52. Will ich am Jahresende feststellen, dass ich eigentlich 52 Bausteine mehr haben könnte?! Nein, denn dann ist es zu spät. Das nennt man Versagen. Sind einem die 52 fehlenden Bausteine allerdings egal, dann ist die Zielsetzung wohl auch nicht so ambitioniert, was auch okay ist. Doch nichts motiviert wohl stärker als ein Ziel.

Das Ziel hat Priorität

Es gilt, sich dieses Ziel zu setzen und es als unumstößlich zu betrachten. Nimmt man von vornherein das Ziel nicht ernst, wird man auch den Weg dorthin verlassen. Stellt man für sich fest, dass das Ziel gar nicht so wichtig ist, dann ist man bereits gescheitert. Das Ziel muss oberste Priorität, sein Erreichen ausreichend Platz im Alltag zur Verfügung haben. Das soll nicht bedeuten, dass Ihr alles andere vernachlässigen könnt, doch sollte ein Workout seinen genauso selbstverständlichen Platz im Alltag haben wie beispielsweise Schlafen oder das Sehen einer Serie; was auch immer Ihr so tut. Das Workout muss Routine werden, es muss selbstverständlich sein. Schon nach einigen Monaten ist ein Tag ohne Workout etwas, das sich sehr ungewöhnlich und irgendwie falsch anfühlt. Ihr trefft beim Setzen des Zieles die Entscheidung, künftig etwas anders zu tun als bislang. Diese Entscheidung muss unumstößlich sein. Reißt Euch zusammen, denkt immer an das Ziel, denn am Ende wollt Ihr Euer Nachgeben sicher nicht bereuen müssen, wenn Ihr das Ziel deshalb verfehlt. Ihr wollt nicht in den Spiegel sehen und feststellen, dass Ihr versagt habt.

Ein Workout ist nicht nur Arbeit

Sondern auch Spaß. Fehlt Euch unmittelbar vorher Motivation? Trainiert trotzdem! Ihr werdet den Effekt kennenlernen, dass es nach wenigen Minuten schon Spaß macht. Ich kenne das durchaus: Man wacht aus welchen Gründen auch immer gerädert auf und hält ein hartes Workout im Grunde für nicht machbar. Das aber ist falsch! Der Körper merkt schnell, dass ihm Leistung abverlangt wird, wenn Ihr startet. Diese Leistung kann er so gut wie immer bereitstellen. Eben noch gerädert, seid Ihr sehr schnell sehr fit und „Glückshormone“, die der Körper beim Training zuverlässig ausschüttet, tun das Übrige. Beißt Euch also immer durch! Es ist unwahrscheinlich, dass ein Workout dazu führt, dass Ihr Euch danach schlechter als vorher fühlt. Das ist eigentlich nur der Fall, wenn Euch zwischendurch eine Kugelhantel auf den Kopf kracht.

Jeder Sieg gegen den inneren Schweinehund ist Euer Sieg! Seit einigen Jahren kenne ich weder vor dem Laufen noch dem Krafttraining den inneren Schweinehund, der mir aus früheren Tagen aber durchaus bekannt ist. Ich behaupte, dass man irgendwann, wenn man ihn nur oft genug besiegt hat, gegen ihn immun ist. Denn er kann Euch nicht geben, was Euch das Training geben kann: Jeden Tag einen kleinen Sieg.

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