A wie Abnehmen

Der durchschnittliche Leser von tacko!Seppo ist 89 Jahre alt, was damit zu tun hat, dass ich in Seniorenheimen gelegentlich Gymnastikstunden gebe und meine „Kunden“ zwinge, diesem Erfolgsblog zu folgen. Dieses führt dazu, dass das Gros der Leser unter „Abnehmen“ das Annehmen eines Telefonates versteht und an Abnahme im Sinne des Gewichtsverlustes gar kein Interesse hat, weil es nicht mehr lohnt. Das Schönheitsideal hat keine Priorität mehr in diesem Alter, möchte ich behaupten, und verweise aber auch darauf, dass es beim Abnehmen ja nicht nur um das diesem Ideal Gerechtwerden, sondern durchaus auch um gesundheitliche Aspekte geht: Viele Menschen laufen, um Gewicht zu verlieren. Sie verlieren dieses auch, jedoch dürfte der eine oder andere enttäuscht sein, denn das Laufen ist eben nicht die Sportart der Wahl, wenn man Gewicht verlieren möchte. Ich habe es auch immer gehasst, wenn mich jemand fragt, warum ich denn laufe, da ich noch gar kein Übergewicht hätte. Als ob man nur aus diesem einen Grund laufen würde!

Auch in Phasen des Laufens nahm ich schon zu. Denn Bewegung alleine bringt schlicht: sehr wenig. Dass der Mensch durch Sport Gewicht verliert, ist ein Mythos, denn mit oder ohne Sport gilt: Wer abnehmen will, muss mehr verbrennen als er an Kalorien zu sich nimmt.

Damit wird nun nicht jeder einverstanden sein! Aber es stimmt leider.

Was wir beim Laufen an Kalorien verbrennen, ist eher dürftig: eine halbe Stunde des lockeren Laufes verpulvert gerade mal lächerliche 365 Kilokalorien (bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen), was freilich ein Durchschnittswert ist, der individuell abhängig von Alter, Geschlecht und eben Gewicht ist. 365 Kilokalorien sind weniger als 100 Gramm Schokolade zu bieten haben und der „Steakhouse Beef Classic“, den ich am vergangenen Montag bei „McDonald’s“ hatte, schlägt mit satten 760 Kilokalorien zu Buche, ich müsste somit eine ganze Stunde laufen, um ihn wieder loszuwerden. Oder ihn erst gar nicht essen. Aber hin und wieder brauche ich sowas mal. Aber egal, weiter. Für unseren Musterjogger gilt auch, dass, würde er nur so dasitzen statt zu laufen, er immerhin knapp 100 Kilokalorien verbrennen würde. Das Laufen bringt ihm also lediglich ein Plus von rund 265 Kilokalorien! Und anders als Kraftsport wirkt Ausdauersport appetitanregend, sodass man diese magere Ausbeute schnell wieder draufhat! Beim Laufen sollte es also nicht ums Abnehmen gehen. Laufen ist viel mehr! Doch sollten Läufer im Hinterkopf haben, dass Ausdauertraining Muskeln ab- und nicht aufbaut!

Wir stellen bitter fest, dass es ohne eine bewusste Ernährung eben nicht geht und sportliche Aktivität leider endloses Fressen nicht erlaubt, wobei Kraftsport durchaus geeignet ist, die Nahrungsaufnahme deutlich hochzufahren. Doch fürs Laufen gilt das nicht, eine bittere Wahrheit, die noch nie in dieser Deutlichkeit niedergeschrieben worden ist. Ich selbst laufe aus vielen Gründen, doch selbst minimalster Gewichtsverlust ist nicht ansatzweise ein Grund für mein Laufen. Wer sich für eine gesunde Ernährung interessiert, ist beispielsweise hier besser aufgehoben.

Es geht wie sooft ums Essen

Denn die Ernährung dient in meinem Dasein nur einem Zweck: dem Überleben. Ich persönlich halte nichts von Regeln, die mir verbieten, dass ich um 18.05 Uhr Kartoffeln esse oder zum Frühstück die Pizza vom Vorabend. Ich esse das, wonach es mich gelüstet, wobei ich weitestgehend (aber nicht komplett!) auf Kohlenhydrate verzichte. Ansonsten lohnt immer ein Blick auf die eigene Kalorienbilanz: Dieses Vorgehen nach Zahlen vereinfacht das Halten von Gewicht ungemein (auch deshalb ist „Malen nach Zahlen“ so ein Erfolg): Will ich es loswerden, verringere ich die Kalorienzufuhr. Es ist genau so einfach, aber in der Umsetzung freilich schwer. Hier ist jeder selbst Schmied seines eigenen Glückes; ich halte nichts davon, dass uns eine Industrie Dinge vorschreibt.

Den Wahn, der um Ernährung gemacht wird, verabscheue ich regelrecht, da er oft auf Trends setzt, die in wenigen Jahren wieder verteufelt und durch neue ersetzt werden. Ich las kürzlich über die Trendfrucht „Avocado“, die seit Monaten in unseren Speiseplan gepresst wird. Damit sie auf unseren deutschen Küchentischen landet, werden tausende Liter Wasser pro Frucht investiert, während die Kühlkette auf ihrem Transport von ihren Anbaugebieten, die alles andere als umweltschonend sind und anderen Menschen die Lebensgrundlage nehmen, unverhältnismäßig viel Energie frisst. Ich bin der Meinung, jeder solle essen, was er mag. Aber manch Veganer, den ich hier keineswegs angreifen möchte, vergisst mitunter den enormen Energieaufwand, den er verursacht, um möglichst ressourcenschonend zu essen. Er erreicht im Extrem das Gegenteil seiner Absicht. So viel Ehrlichkeit sollte möglich sein, ohne einen Sturm der Entrüstung zu ernten. Ich sage ja nicht, dass die Massentierhaltung gut ist. Auf beiden Seiten muss differenziert werden.

Ich bin kein Freund pauschaler Zahlen. Doch angenommen, sie treffen im Schnitt zu, so gilt, dass ein möglichst hoher Puls beim Laufen nicht besonders viel Fett verbrennt. Nebenbei ist es ein unerträglicher Mythos, dass der Körper überhaupt erst nach einer halben Stunde der Bewegung Fett verbrennt – er tut es sofort. Immer. Tatsächlich heißt es, eine konstante Pulsrate von 130 Schlägen pro Minute sei ideal, um möglichst viel Fett zu verbrennen. 80 Prozent etwa der benötigten Energie holt sich der Körper aus den Fettreserven, während der Rest aus dem Kohlehydratespeicher kommt. Legt man eine Schippe drauf an Puls, ändert sich dieses Verhältnis zu Ungunsten des Fettverbrauches, da der Körper schneller mehr Energie benötigt und die liefern die Kohlenhydrate. Aber nach wie vor auch Fett, sodass eine höhere Trainingsintensität durchaus geeignet ist, um mehr Fett zu verbrennen.

Jahrelang habe ich selbst geglaubt, dass Laufen zwar nicht viel verbrenne, was ja so ist, aber ich saß dem Irrtum auf, dass der Stoffwechsel meines Körpers insgesamt effizienter ablaufe. Das trifft für einen kurzen Zeitraum unmittelbar nach dem Training durchaus zu, doch gewöhnt sich der Körper auf Dauer an das höhere Fitnesslevel, sodass er die vorhandenen Fettreserven eben auch tatsächlich effizienter angeht, also weniger schnell auf Dauer: In Ruhephasen verbraucht ein gut trainierter Körper weniger Kalorien (Im Kraftsport gilt das nicht!).

Bittere Zwischenbilanz. Nun werden wir offenbar fett, weil wir laufen (Bitte die Übertreibung dieser Aussage beachten!)!

Die Muskelmasse macht’s!

Darum müssen Muskeln her. Denn die verbrennen letztlich Fett (Leider gilt nicht, dass der Aufbau von Muskeln am Bauch auch das Fett des Bauches verbrennt! Zielgerichtetes Fettverbrennen funktioniert leider nicht). Und wer sich mal Läufer genauer ansieht, wird bei denen, die wirklich nichts anderes tun, feststellen, dass sie eher nicht zu Muskelprotzen mutieren. Gerade bei den Herren, die meinen, Leggings tragen zu müssen, sieht man das mitunter sehr eindrucksvoll. Also müssen die Muskeln auf andere Weise rangeschafft werden; ich empfehle Kraftausdauertraining. Denn je mehr Muskeln vorhanden sind, desto mehr Fett verbrennt der Körper – und das auch im Ruhemodus, selbst im Schlaf.

Das klingt alles ernüchternd, wenn man aus Gründen des Gewichtes laufen geht. Warum? Weil es das auch ist. Das Laufen flankiert die gesunde Ernährung und das gepaart mit Kraftsport könnte der optimale Dreiklang sein um abzunehmen. Doch ich werde nie müde zu betonen, dass das Abnehmen gar nicht der eigentliche Grund sein sollte, das Laufen anzufangen, es gibt genug andere sehr gute Gründe, die hier bei tacko!Seppo regelmäßig Widerhall finden.

Es gilt aber auch, dass Laufen das Abnehmen nicht konterkariert und ich bin der letzte, der anderen rät, etwas aus welchen Gründen auch immer zu tun. Ich habe über viele Jahre diverse Laufmagazine gelesen und schnell festgestellt, dass diese sich gerne in bestimmten Zyklen immer wieder neu widersprechen. Das kann sich auf die Frage beziehen, ob man morgens auf nüchternen Magen losläuft, denn lange hieß es, der Körper habe in dem Fall lediglich Fettreserven zur Verfügung. Das stimmt. Aber: Das Fett wird nur verbrannt, wenn überhaupt Zucker zur Verfügung steht! Das soll einer ahnen! Ich laufe immer mit leerem Magen los, geraten wird allerdings von Experten zur ante-Lauf-Banane. Aber wie gesagt, mir geht es nicht um das Abnehmen. Und inzwischen schreiben die Gazetten, man solle eben nicht nüchtern los laufen. So verhält es sich mit zahlreichen Ratschlägen in jenen Magazinen, die sich einem eng gefassten Thema verschrieben haben, aber dennoch wöchentlich oder monatlich ihre Seiten füllen müssen. Da wird jeder Trend aufgegriffen, wenn nicht selbst schon erfunden, totgeritten, bis das Chiasamen-Brot der Azteken das Proteinbrot abgelöst hat, da sich die Bäcker über jeden neuen Trend freuen. Die dem Chiasamen zugeschriebene Wirkung ist nicht einmal bewiesen, während das Proteinbrot erschrecken kalorienreich ist.

Ich bin aber auch kein Sportmediziner. Und wenn ich mir einen 190 Kilo schweren Menschen vorstelle, bin ich unbedingt geneigt, ihm zumindest viele Fußwege nahezulegen, sofern er mich um Rat fragt, denn unerbetener Rat ist unerträglich. Und dass man mit 190 Kilogramm auf den Füßen nicht unbedingt mit einem Intervalllauf in den Tag starten sollte, ist auch klar.

Für mich als Fazit bleibt, dass ich dann Gewicht verliere, wenn meine Kalorienbilanz es erlaubt. Laufen kann das unterstützen, ist aber nicht die Methode der Wahl. Muss auch nicht.

Kürzlich schrieb mir ein Leser, der selbst läuft, dass ich mit der These, Laufen sei kein zum Abnehmen geeigneter Sport, Unsinn verbreite. Das ist leider eine gänzlich undifferenzierte Replik auf meine These, denn effizient ist Laufen in dem Punkt wirklich nicht. Manch einer will das aber vielleicht gar nicht hören.

Ich habe in diesem Text einiges lediglich angekratzt. Es sollte nicht darum gehen, Diäten oder Ernährungsumstellungen nahezulegen. Nicht immer ist das Zählen von Kalorien die beste Möglichkeit abzunehmen. Nicht immer ist die Reduktion von Kalorienzufuhr der Weg zum Erfolg. Abnehmen ist eine individuelle Angelegenheit! Letztlich sollte es beim Laufen so oder so nicht primär ums Abnehmen gehen! Denn Laufen ist viel mehr! Doch natürlich ist es sinnvoll, das Laufen als Einstieg in die Bewegung zu nutzen. Für Menschen, die jahrelang jeder Bewegung fernblieben und deshalb an Übergewicht leiden, kann Laufen nur zu einer Verbesserung der Situation führen! Ich will es niemandem madigmachen, doch es gibt effizientere Sportarten für dieses Ziel.

Ein Eintrag zu „A wie Abnehmen

  • Schön zu lesen und ich stimme dir zu! Ich persönlich laufe wegen des erhabenen Gefühls danach 😉 muss aber momentan aus gesundheitlichen Gründen pausieren…
    Ich werde dir mal folgen und hoffe auf weitere nette Artikel 😊

    Gefällt 1 Person

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